Home Schulgeschichte des BSZ Agrarwirtschaft 6.2 Noch einmal ein Blick in die Vergangenheit

6.2 Noch einmal ein Blick in die Vergangenheit

E-Mail Druckbutton anzeigen?
2006

Es ist sicherlich nicht angebracht, hier nun noch einmal die einzelnen Entwicklungsstufen unserer Bildungseinrichtung zu beschreiben, zumal in den vorhergehenden Kapiteln recht ausführlich Wichtiges erläutert wurde. Aber es ist trotzdem dringend erforderlich, exemplarisch den Blick auf Vergangenes noch einmal zu werfen. Auf Grund der im Kapitel 6.1 erwähnten Entwicklungen wurden von fachlich unkundigen Mitarbeitern der Schulverwaltung und der Schulaufsicht Erwägungen laut, dass eventuell die Ausbildung von bestimmten agrarwirtschaftlichen Berufen an andere Schulen verlagert werden sollte, dass also die Gesamtheit der agrarwirtschaftlichen Ausbildung zerrissen werden sollte. Es wurde versucht, die Ausbildung im Agrarwissenschaftlichen und Biotechnologischen Gymnasium zu drosseln. Leider wurden auch festgeschriebene Weiterentwicklungen im sächlichen Bereich nur noch ungenügend realisiert.

Die Berufsbildende agrarwirtschaftlichen Ausbildung in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden begann Mitte des 19. Jahrhunderts. 1856 wurde die erste gärtnerische Lehranstalt in der Friedrichstraße 26 eröffnet. Dass dies auf Beschluss des Landwirtschaftlichen Kreisvereins zu Dresden geschah, zeigt, dass bereits damals von der Einheit Landwirtschaft - Gartenbau ausgegangen wird. Auch in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Gärtnerprüfungen von der Landesbauernschaft in Dresden organisiert. Dresden und deren Umgebung waren schon immer neben der industriellen Entwicklung auch von einer Vielzahl von landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrieben geprägt. So sollte man ebenfalls darauf aufmerksam machen, dass heute jeder "Bio - Bauer" Landwirt und Gärtner zugleich sein muss.

In der Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg wurden die Berufsschulen in Dresden - Roßthal und Dresden - Sporbitz prägend für die agrarwirtschaftliche Ausbildung für die Dresdner Region. Dabei ist die Abiturausbildung neben der "normalen" Berufsausbildung eine nicht wegzudenkende Ausbildungsform für diese berufliche Richtung. Im Zuge der Einführung der Berufsausbildung mit Abitur in der DDR wurden 1961 die ersten Abiturklassen im Bereich der Agrarwirtschaft sowohl in der Schule in Roßthal als auch in der gärtnerischen Berufsschule, deren eine Abteilung damals in Coswig war, gebildet. Deshalb kann man heute von einer traditionellen Abiturausbildung im agrarwirtschaftlichen Bereich an unserer Schule sprechen. Diese Abiturausbildung wurde während der letzten DDR - Jahre in der Region Dresden fünfzügig (3 Klassen in Roßthal, 2 in Coswig) durchgeführt. Eine fachlich hochwertige Ausbildung garantierte dafür, dass die Absolventen sehr gute Voraussetzungen für ein Studium hatten. Aus heutiger Sicht kann man einschätzen, dass in vielen Bereichen Absolventen unserer Schule führend arbeiten. Vor allem in Sachsen (darüber hinaus auch bundesweit) sind Absolventen von uns Geschäftsführer von landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrieben, führen selbständige Tierarztpraxen, sind im öffentlichen Dienst tätig (in Ministerien, im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Veterinärämtern als Amtsleiter oder Mitarbeiter), in Schulen, aber haben auch Medizin studiert und arbeiten als Ärzte, sind in berufsständigen Verbänden und Vereinen präsent. An verschiedenen Hochschulen und Instituten (so z.B. an der TU Dresden, dem Leibniz - Institut Potsdam, der FNU Universität Hamburg) sind ehemalige Schüler als Professoren berufen.

Nach der Wende konnte die Abiturausbildung in dem Agrarwissenschaftlichen Gymnasium nahtlos weiter geführt werden. Durch unsere "Grünen Berufe" wird das Hauptanliegen für ein Berufliches Gymnasium, nämlich die unmittelbare Verbindung zur Berufsausbildung sehr gut erfüllt. Mit Gründung des BSZ für Agrarwirtschaft "Justus von Liebig" im Jahr 1992 war endlich die Grundlage gegeben, eine zentralisierte umfassende agrarwirtschaftliche Ausbildung für Dresden und Umgebung zu schaffen. Mit Übertragung des 5,5 ha großen Schulgeländes in Dresden - Roßthal von der Treuhandanstalt an die Landeshauptstadt Dresden mit ausdrücklicher Festlegung, dass das Objekt für eine berufliche Schule vorgesehen ist, war eine hervorragende Voraussetzung für den sächlichen Bereich gegeben. Das zur Schule gehörende Landheim in Zinnwald (Osterzgebirge) wurde der Landeshauptstadt mit übergeben. Dieses Schullandheim wurde bald von der Stadt verkauft. Der Verkaufserlös ging in den Haushalt der Stadt ein, kam leider der Schule nicht zu gute und wir haben die Höhe des Erlöses nie erfahren.

Zur Schule in Dresden - Sporbitz, die als Außenstelle weiter geführt wurde, gehörte die Lehrgärtnerei Hosterwitz. Diese war insbesondere für die praktische bzw. experimentelle Fachkunde der gärtnerischen Ausbildung von großer Bedeutung. Mit der Begründung des Schulverwaltungsamtes, dass die Ausbildung aller auszubildender Jugendlichen unserer Schule in absehbarer Zeit sowieso nach Dresden - Roßthal verlagert wird, wurde diese Lehrgärtnerei 1994 von unserem BSZ abgespaltet.

Im Dezember 1994 konnten wir unser Haus 3 im Objekt Altroßthal neu aufgebaut und ausgestattet in Betrieb nehmen. Bürgermeister Wolf - Dieter Müller eröffnete das mit 5,1 Millionen DM teure Kleinod entlang der Saalhausener Straße, zielgerichtet wurden hier Fördergelder eingesetzt.

Blick von der Bushaltestelle zum neu erbauten Schulgebäude.
Links das Haus 2, das 1844 als Wirtschaftsgebäude
unter Leitung des Freiherrn von Watzdorf entstand
Blick von der Neunimptscher Straße zum Schulneubau

Die Anzahl der auszubildenden Jugendlichen an unserer Schule nahm ständig zu. Unverständlicher Weise wurde vom Schulträger der weitere Ausbau im Roßthaler Objekt nicht weiter geführt; so musste die Sporbitzer Außenstelle erhalten bleiben, Tausende von Jugendlichen konnten z.B. keinen Sportunterricht in einer modernen Turnhalle erhalten.

Der ehemalige Schulleiter der Gärtnerischen Berufsschule mit den Abteilungen Coswig und Dresden - Sporbitz Fritz Goltzsch schrieb im Juli 2002 im "Coswiger Anzeiger" aus Sicht der gärtnerischen Ausbildung u.a.: "In der ehemaligen Abteilung Dresden - Sporbitz wird die berufstheoretische Ausbildung in allen gärtnerischen Bereichen erfolgreich fortgesetzt. …Die Voraussetzungen für eine gute fachliche, berufstheoretische Ausbildung sind vom pädagogischen Personal her gut bis sehr gut. Aber es mangelt hauptsächlich an Unterrichtsräumen. …Ich meine, es wird höchste Zeit, in Dresden mit einer so hervorragenden und bedeutungsvollen gärtnerischen Tradition in einer eigenen Schule zu unterrichten. …Die Wurzeln einer guten gärtnerischen Produktion sind nicht in Coswig, sondern mehr in Dresden zu finden. …Die Zukunftschancen im Gartenbau sind nicht schlecht. Der qualifizierte gärtnerische Nachwuchs ist schon gegenwärtig sehr gefragt. Ich weiß, dass der Neubau einer gärtnerischen Berufsschule in Dresden im Gespräch ist und hoffe, dass der Schulneubau bald Realität wird."

Zuletzt aktualisiert am Samstag, dem 12. September 2009 um 01:00 Uhr