| Erstmals wird die Siedlung am Roßthaler Bach in einer Urkunde vom 01.12.1319 als "Rostyl" erwähnt. Dieser Name unterlag vielen Veränderungen, über "Rosztyl", "Rostil", "Rostel" und "Rozdel" entstand das heutige "Roßthal". Mit diesem germanisch klingenden Namen verbindet man gern den heutigen Reiterhof im alten Gut Gladewitz (Altroßthal 7) und die im Beruflichen Schulzentrum stattfindende theoretische Ausbildung der sächsischen Pferdewirtlehrlinge. Allerdings hat die Namensgebung mit Roß bzw. Pferd mit Sicherheit nichts zu tun. In Roßthal und seiner Umgebung kann man eine Vielzahl von slawischen Siedlungen nachweisen: So enden einige Orte mit der slawischen Endung -itz (z.B. Naußlitz, Pesterwitz, Gorbitz, Gompitz).
Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist demnach der Name slawischen bzw. altsorbischen Ursprungs und bedeutet soviel wie "Zerteilung" oder "Gabelung". Das Häkchen über dem "e" im Namen Rozdel wird in der slawischen Sprache wie "ja", also Rozdjal ausgesprochen. Die slawischen Siedler, vom Weißeritztal aufwärts kommend, fanden im dortigen Gelände die Gabelung zweier Täler vor und haben danach ihren Wohnsitz so benannt. Nicht verschwiegen werden sollte jedoch auch eine Version der Namensgebung, die die Schwestern von Jesus - Maria (die einige Jahre im Roßthaler Schloss ein Damenstift eingerichtet hatten) in ihrer Chronik niederschrieben und uns eine Kopie davon zukommen ließen: Hier soll die "Heilige Rosalia" Namenspatronin von Roßthal gewesen sein.(siehe Abb.) Sehr wohl findet man im Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen (von 1862, Poenicke) den Hinweis: "In den frühesten Zeiten war Roßthal ein Nonnenstift mit einer von Wallfahrern häufig besuchten, der heiligen Rosalie gewidmeten Kapelle, deren Überreste durch den Bau einer Scheune verloren gegangen sind." |
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| Aus dieser Zeit sind zwei Eisenkunstgussplatten (so genannte Ofenplatten) erhalten geblieben. Sie befanden sich an der Einsiedelei im Schlosspark Roßthal. Eine wurde in das Foyer des Schulneubaus - Haus 3 - (von Georg Fleischer, 1560, Darstellung eines so genannten guten Helden - König Artus-?) integriert und die zweite (St. Georg, der den Drachen tötet) ist im Freitaler Heimatmuseum "Haus der Heimat" untergebracht. Bemerkenswert ist das Sandsteintor aus dem Jahr 1611 an der alten Einsiedelei, die leider ohne jede Pflege immer mehr verfällt. Auf dem Foto aus dem Jahr 1975 ist das kleine Gebäude in der Urform noch gut zu erkennen. | ![]() Einsiedelei im Schlosspark |
| Nach dem Tod Johann Ullmanns kam Roßthal in den Besitz der Familie von Krahen. Kurfürst Johann Georg II. (1656-1680) bestätigte die Ober- und Erbgerichtsbarkeit in der nachfolgenden Kopie für August von Krahen für das Dorf Roßthal. Der Besitzer des Rittergutes war damals der "Hochedelgeborne, Gestrenge und hochmannsfeste Herr Alexander von Krahe, auch Kracht genannt, auf Roßthal, kurfürstliche Durchlaucht zu Sachsen, Hochbestallter Kammerherr, Hofmarschall und Obrist - Lieutenant" (nach Leßke,1886), der 1657 das Schloss bauen ließ, das in den nächsten Jahren immer wieder Änderungen erfuhr. | ![]() |
Der Kaufmann Johann Heinrich Mertz wird Besitzer des Schlosses und Rittergutes Roßthal. Die Bewohner des Dorfes bearbeiten die 224 ha große Flur des Rittergutes im Frondienst. So betrugen 1826 die "Hohldienste" für das Rittergut 81 Manns- und 100 Weibstage. Dazu mussten noch Erbzinsen und Zinsgetreide abgeliefert werden.
Der Besitzer Johann Christian Mertz begeht 1841 Suizid (er erschießt sich) und seine Erben bringen Roßthal zur Zwangsversteigerung.
Im Dezember 1842 kauft Carl Hermann von Watzdorf (Sohn des Kgl. Sächs. Kammerherrn, Geheimrats, Generalleutnants und Minister des Kgl. Hauses Wettin Karl Friedrich Ludwig von Watzdorf) Schloss und Rittergut Roßthal für 52200 Taler. Er lässt 1844 das Wirtschaftsgebäude bauen, das heute das Haus 2 des Beruflichen Schulzentrums ist. Freiherr von Watzdorf wird 1843 auch mit Altfranken belehnt.
Carl Hermann Freiherr von Watzdorf hatte 1840 die ehemalige Amalie Wilhelmine Emilie Gräfin von Reichenbach - Lessonitz geheiratet, die allerdings von 1836 - 1839 bereits mit Johann Heinrich Wilhelm Graf von Luckner verheiratet war und 1838 ihren ersten Sohn Nikolaus Alfred Arthur Graf von Luckner geboren hatte. Aus der Ehe mit Freiherrn von Watzdorf stammen die Kinder Wilhelm Emil Freiherr von Watzdorf (1842 - 1915) und Konrad Freiherr von Watzdorf (1844 - 1922). Bald nach dem Tod von Carl Hermann Freiherr von Watzdorf im Jahr 1846 schließen Wilhelm Graf von Luckner und Amalie Wilhelmine verw. Freifrau von Watzdorf 1847 zum zweiten Mal die Ehe, aus der 1849 Sohn Nikolaus Rudolf Gustav Alfred Felix Graf von Luckner (bekannt geworden als "Der rote Graf") hervor ging.
Mit 22 Jahren, also 1871, lässt "Der rote Graf" Felix Graf von Luckner Schloss Altfranken im Tudorstil umbauen und erweitern.
Zu erwähnen sei, dass es neben der Altfrankener Linie der Grafen von Luckner im Nachbarort Pennrich eine zweite Linie von Luckner gab. Hier wurde 1881 Felix Alexander Nikolaus Graf von Luckner (1881 - 1966), der spätere "Seeteufel", geboren. Er wurde u.a. dadurch berühmt, dass er im April 1945 die Stadt Halle/Saale vor der Zerstörung durch die Amerikaner bewahrte.
1845 Ritt - und Postmeister Karl Moritz von Wolfersdorf, Hofposthalter zu Dresden
1847 Ulanenlieutnant von Brachewitz
1848 Besitzer wird Georg Moritz Hübel
Von Frau Helga Kunze aus Leipzig erhielten wir einen Brief, in dem u.a. steht: "Meine Großmutter Johanna Kunze geb. Hübel wurde am 23. Mai 1848 im Schloss Roßthal geboren. Das Rittergut gehörte damals meinem Urgroßvater Georg Moritz Hübel." Frau Kunze schickte uns auch eine Abschrift aus dem Kirchenbuch von Pesterwitz mit:
"Im Jahre Christi Eintausend Achthundert Acht und Vierzig am Drei und Zwanzigsten Mai abends gegen 10 Uhr, ist Herrn Georg Moritz Hübel, Besitzer des Rittergutes zu Roßthal, von seiner Ehegattin, Frau Alma Angelika Laura geb. von Egidy aus Rittergut Förstel bei Elterlein, das erste ehel. Kind geboren worden, welches am Achtzehnten Juni die heil. Taufe und die Taufnamen Maria Johanna Josephine empfangen hat. Als Taufzeugen sind zugegen gewesen …(4 Taufzeugen). Auf Grund des Kirchenbuches zu Pesterwitz wird obige Geburt und Taufnachricht glaubwürdig ausgestellt."
Am 1. April 1852 kauft Carl Friedrich August Krebs Schloss und Rittergut Roßthal. Die bürgerliche Familie wurde berühmt und reich durch das Betreiben der Steinkohlenschächte der Umgebung. Schon 1819 übernahm Carl Friedrich Krebs von seiner Tante Wilhelmine Sophie Dathe die Steinkohlenwerke und hatte bereits das Rittergut Burgk (Freital) gekauft.
Carl Friedrich August Krebs wurde 1829 in den erblichen Freiherrenstand erhoben und führte seitdem den Namen Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk, auch als "Steinkohlenbaron" in der Bevölkerung bekannt.
Sein Sohn Carl Christian Arthur Freiherr von Burgk (31.10.1823 - 28.06.1897) übernahm 1849 die Betriebsführung des väterlichen Unternehmens und lebte seit 1852 auf Rittergut und Schloss Roßthal. Zu seinen sozialen Verdiensten gehören die Stiftung des Burgker Knappschaftshospitals sowie die Finanzierung einer Kleinkinderbewahranstalt in Löbtau.
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Am 08.11.1931 stirbt Carl Friedrich August Maximilian Freiherr Dathe von Burgk. Er wird in Schönfeld mit bergmännischem Zeremoniell beigesetzt.
Den Besitz in Roßthal erbt seine Tochter Oswine Marie Ella Adele Dathe von Burgk, geb. in Dresden am 20.08.1885, getraut 1907 in Schönfeld mit Edmund Albert Sittich Graf vom Hagen.
Gräfin Adele von Hagen verpachtet das Schloss Roßthal an das Katholische Josephinenstift in Dresden.
Die Schwestern von Jesus - Maria besuchten 50 Jahre nach ihrer Vertreibung 1949 mit einer Abordnung das Berufliche Schulzentrum. Sie berichteten u.a., dass bis 1949 im heutigen Speiseraum des Schlosses Gottesdienste durchgeführt wurden. Tägliche Gebete fanden in der Einsiedelei im Schlosspark statt. Nach dem Besuch kam noch einmal ein herzlicher Brief aus der jetzigen Heimstatt aus Seelingstädt von den Schwestern mit zwei Fotos, die im Abstand von 50 Jahren am Haupteingang des Schlosses aufgenommen wurden (Das zweite Foto mit dem Schulleiter Bernd Etzold).
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| Frühjahr 1949 | 6.September 1999 |
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| 1940 | 2010 |
Die Schwestern ließen uns folgende schriftliche Darstellung der Zeit von 1933 - 1949 zukommen:
Damenstift unter Leitung katholischer Ordensschwestern
Eine Gemeinschaft katholischer Ordensschwestern, die "Schwestern von Jesus-Maria", hatte seit 1923 die Leitung des Josephinenstiftes in Dresden. Diese Gemeinschaft wurde gebeten, zusätzlich im Raum Dresden ein Damenstift einzurichten. Das Schloß Roßthal schien dafür geeignet zu sein. Die Besitzerin, Gräfin Adele von Hagen, hatte das Schloß durch Erbschaft erworben und suchte es zu verpachten. Am 1.Jan.1933 trat der Mietvertrag in Kraft, und bald danach wurde das Damenheim eröffnet.
Zu Beginn waren nicht nur deutsche Ordensschwestern hier tätig. Das liegt darin begründet, daß die Kongregation der Schwestern von Jesus-Maria eine internationale Ordensgemeinschaft ist, die nach der Französischen Revolution in Frankreich gegründet wurde und heute in mehr als 30 Ländern tätig ist. Nach Deutschland kamen die Schwestern erst im Jahre 1923.
Für Schloß Roßthal übernahm im Jahre 1937 der Caritasverband den Mietvertrag. Das änderte nichts am Dienst der Schwestern und an der Funktion des Hauses.
Nach den schrecklichen Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 mußten alle Hausbewohner zusammenrücken, um vielen Ausgebombten und Flüchtlingen aus den Ostgebieten eine notdürftige Unterkunft zu geben. Eine der schwierigsten Aufgaben der Schwestern war es jetzt, für so viele Menschen die notwendigsten Nahrungs- und Lebensmittel zu beschaffen. So waren in den folgenden Monaten bis zur neuen Kartoffelernte jeweils 2 Schwestern in kurzen Abständen im Sorbenland, in der Nähe von Bautzen, unterwegs, um Kartoffeln und Gemüse mühevoll zu erbetteln. Ab Herbst gab es dann für alle Bewohner eine gerechtere Zuteilung. Die war noch nicht ausreichend, aber zusätzliche Hilfe kam aus den umliegenden Dörfern.
Von einer anderen Schwierigkeit schreibt eine Schwester aus ihren Erinnerungen: "Ebenso schlimm wie an der Nahrungsmittelknappheit litten wir am Kohlenmangel. Die Zentralheizung konnte nicht betrieben werden und nur wenige Zimmer hatten Öfen. Dafür mußte das wenige Heizmaterial gut eingeteilt werden. Zudem war der Winter 1945/46 sehr streng..."
Zu dieser Zeit gab es viele Kranke im Hause. Die Schwestern pflegten die Kranken so gut es ging, aber es fehlte am Nötigsten: Medikamente und Nahrungsmittel. '
In dieser Zeit kamen Soldaten der Sowjetarmee ins Haus. Als sie die vielen Kranken und die Schwestern bei der Pflege sahen, waren sie freundlich und verließen respektvoll das Heim.
Schon im März 1946 wurde den Schwestern die Nutzung des Hauses durch die LDPD, Landesverband Sachsen, aufgekündigt mit der Begründung, das Haus sei dieser Partei von der Landesverwaltung Sachsen als Schulungshaus übergeben worden. Das konnte zunächst aufgeschoben werden; da es nicht leicht war, für die zahlreichen Heimbewohner eine andere Unterkunft zu finden. Im Mai des gleichen Jahres kam die Nachricht vom Bezirkswohnungsamt, daß das Rittergut Roßthal in die Sächsischen Staatsgüter übergegangen sei. Das Altersheim könne aber weiterhin im Schloß Roßthal bleiben.
In einem Schreiben von der Landesgüterverwaltung vom März 1949 ist zu lesen, daß Schloß Roßthal in die Bodenreform einbezogen sei und damit kein Mietvertrag mehr gelte. Am 6. Juli 49 wurde eine mündliche Kündigung ausgesprochen, da man eine andere Nutzung für dieses Haus plante. Ein neuer Wohnsitz für die Schwestern und Heimbewohner wurde bald darauf gefunden. Es war ein leerstehendes Rittergut, dessen Hauptgebäude abgerissen werden sollte, -man hatte bereits damit begonnen.
Im Gegensatz zu Schloß Roßthal war dieses Ersatzgebäude fast eine Ruine. Unter der Leitung der Schwestern und der Schirmherrschaft der Caritas wurde das Haus in Seelingstädt bei Grimma nach kurzer Zeit wieder eine neue Heimat für ca. 60 Heimbewohner.
Am 17.04.1945 beim letzten Großangriff auf Dresden erfolgte der Abwurf einer Bombe auf das Schloss (6 Zentner), die glücklicherweise im Park niedergeht.
Beim Eintreffen der Sowjetarmee vermuteten die Soldaten im Schlossturm noch ein Maschinengewehrnest der deutschen Wehrmacht und schossen von Altfranken her eine Panzergranate in das Dach des Schlosses. Der entstandene Brand konnte ohne größeren Schaden gelöscht werden.
Am 08.05.1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation Hitlerdeutschlands. Der gesamte Burgksche Besitz wird enteignet und zum "Volkseigentum" erklärt.
Schloss: Das Damenstift unter der Leitung der katholischen Ordensschwestern bleibt bis 1949 erhalten.
Grundbesitz des Rittergutes: Dient als so genanntes "Stadtgut der Stadt Dresden" bis 1949 zur Versorgung der Sowjetarmee.
In Vereinigung mit Pesterwitz wird das "Volkseigene Gut Gartenbau Pesterwitz (VEG)" gegründet. Es erhält zunächst den Namen "Volksjugendgut ´Wilhelm Pieck´".
Das Schloss wurde zeitweise als Landesverwaltung der Volkseigenen Güter (VVG) genutzt. Das teilweise noch sehr gut erhaltene Inventar wurde mit blindem Aktionismus von kommunistischen Funktionären zerstört. So wurde z. B. oft während der DDR - Zeit "hinter vorgehaltener Hand" darüber berichtet, wie der herrliche Kronleuchter im Foyer des Haupteinganges mutwillig zerschlagen wurde.
Der Wiederaufbau Deutschlands nach dem 2.Weltkrieg erforderte in allen Wirtschaftszweigen einen Neubeginn, in dem natürlich der Ausbildung des jugendlichen Nachwuchses eine herausragende Rolle zukam. So war auch die Zeit reif, um neue Strukturen und Möglichkeiten der Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich für Dresden und die gesamte Umgebung zu finden. Ohne Landwirtschaft und Gartenbau war und ist die sächsische Landeshauptstadt mit seiner Umgebung undenkbar.
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