Home Schulgeschichte des BSZ Agrarwirtschaft 2. Die Historie von Roßthal 1319-1949

2. Die Historie von Roßthal 1319-1949

E-Mail Druckbutton anzeigen?
1319
Erstmals wird die Siedlung am Roßthaler Bach in einer Urkunde vom 01.12.1319 als "Rostyl" erwähnt. Dieser Name unterlag vielen Veränderungen, über "Rosztyl", "Rostil", "Rostel" und "Rozdel" entstand das heutige "Roßthal". Mit diesem germanisch klingenden Namen verbindet man gern den heutigen Reiterhof im alten Gut Gladewitz (Altroßthal 7) und die im Beruflichen Schulzentrum stattfindende theoretische Ausbildung der sächsischen Pferdewirtlehrlinge. Allerdings hat die Namensgebung mit Roß bzw. Pferd mit Sicherheit nichts zu tun. In Roßthal und seiner Umgebung kann man eine Vielzahl von slawischen Siedlungen nachweisen: So enden einige Orte mit der slawischen Endung -itz (z.B. Naußlitz, Pesterwitz, Gorbitz, Gompitz).

Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist demnach der Name slawischen bzw. altsorbischen Ursprungs und bedeutet soviel wie "Zerteilung" oder "Gabelung". Das Häkchen über dem "e" im Namen Rozdel wird in der slawischen Sprache wie "ja", also Rozdjal ausgesprochen. Die slawischen Siedler, vom Weißeritztal aufwärts kommend, fanden im dortigen Gelände die Gabelung zweier Täler vor und haben danach ihren Wohnsitz so benannt.

Nicht verschwiegen werden sollte jedoch auch eine Version der Namensgebung, die die Schwestern von Jesus - Maria (die einige Jahre im Roßthaler Schloss ein Damenstift eingerichtet hatten) in ihrer Chronik niederschrieben und uns eine Kopie davon zukommen ließen: Hier soll die "Heilige Rosalia" Namenspatronin von Roßthal gewesen sein.(siehe Abb.)

Sehr wohl findet man im Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen (von 1862, Poenicke) den Hinweis: "In den frühesten Zeiten war Roßthal ein Nonnenstift mit einer von Wallfahrern häufig besuchten, der heiligen Rosalie gewidmeten Kapelle, deren Überreste durch den Bau einer Scheune verloren gegangen sind."

1350
Am 16.02.1350 bestätigte Kaiser Karl IV. dem Domkapital zu Meißen auf dessen Bitte alle Privilegien, Güter und Renten, dazu gehörte auch Roßthal.
1364
Roßthal wird am 01.11.1364 wieder urkundlich erwähnt, als Markgraf "Friedrich der Strenge" dem Domherrn zu Meißen Berthold Wilde lebenslange Befreiung von allen Steuern und Abgaben auf dessen Besitz in "Rostel" gewährt.
1443
Im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden findet man in einem "Vorzeichnis der Erbarmannschaft in den Pflegen von 1444/45" (Amtserbbuch), dass Roßthal im Jahr 1443 fünf Männer für Kriegszwecke zu stellen hatte, von denen vier mit einer Armbrust und einer mit einem Spieß ausgerüstet sein sollten.
1468
In einer urkundlichen Überlieferung (siehe "Diplomatische und curieuse Nachlese der Historie von Obersachsen…"; Schlöttgen,Christian, 1732) geht hervor, dass zu dieser Zeit einem Meister Hartungk Roßthal (Rustil) gehörte. Es ist aber auch zu entnehmen, dass Roßthal während des Hussitenkrieges schwer zu leiden hatte.
1500
In der gleichen Literaturquelle ist vermerkt, dass am 20.Oktober 1500 in Roßthal zwei Kinder geboren wurden, die mit den Bäuchen aneinander gewachsen waren und nur einige Tage lebten. In der sächsischen Kirchengalerie wurde festgehalten: Ein Kind wurde geboren, das jeden Teil des Körpers doppelt hatte.
1547
Zu dieser Zeit siedelten im Platzdorf "Rostel" "neun besessene Mann" (neun ansässige Bauern), die 12,5 Hufen Land zu bearbeiten hatten. (Hufe: alte deutsche Flächeneinheit für Besitzanteile an der Dorfflur, eine Hufe entsprach zwischen 7 bis 15 ha)
Ca. 1560
Aus dieser Zeit sind zwei Eisenkunstgussplatten (so genannte Ofenplatten) erhalten geblieben. Sie befanden sich an der Einsiedelei im Schlosspark Roßthal. Eine wurde in das Foyer des Schulneubaus - Haus 3 - (von Georg Fleischer, 1560, Darstellung eines so genannten guten Helden - König Artus-?) integriert und die zweite (St. Georg, der den Drachen tötet) ist im Freitaler Heimatmuseum "Haus der Heimat" untergebracht. Bemerkenswert ist das Sandsteintor aus dem Jahr 1611 an der alten Einsiedelei, die leider ohne jede Pflege immer mehr verfällt. Auf dem Foto aus dem Jahr 1975 ist das kleine Gebäude in der Urform noch gut zu erkennen.
Einsiedelei im Schlosspark
1590
Eine Landkarte gibt den Ort als "Rosenthal" an.
1621
Da in Roßthal mehrere Quellen (z.B. Rosalienquelle) Wasser spenden, wird eine so genannte "Röhrfahrt" von Roßthal bis ins kurfürstliche Schloss nach Dresden gelegt. Durch ausgehöhlte und ausgekohlte Buchenstämme erhielt so das Residenzschloss über 200 Jahre lang (bis 1848) Frischwasser aus Roßthal.
1628
Auch nach der Reformation blieb Roßthal Eigentum eines nun evangelischen Dompropstes, der es 1628 dem kurfürstlichen Kammerdiener Johann Ullmann als Lehen übergab. Mit Genehmigung des Kurfürsten Johann Georg I. wurde nun das bestehende Vierhufengut Roßthal zum Rittergut erhoben. Durch eine Zahlung von 700 Gulden wurde es von allen Fronen und Dienstleistungen befreit.
1657
Bau des Roßthaler Schlosses
Nach dem Tod Johann Ullmanns kam Roßthal in den Besitz der Familie von Krahen. Kurfürst Johann Georg II. (1656-1680) bestätigte die Ober- und Erbgerichtsbarkeit in der nachfolgenden Kopie für August von Krahen für das Dorf Roßthal. Der Besitzer des Rittergutes war damals der "Hochedelgeborne, Gestrenge und hochmannsfeste Herr Alexander von Krahe, auch Kracht genannt, auf Roßthal, kurfürstliche Durchlaucht zu Sachsen, Hochbestallter Kammerherr, Hofmarschall und Obrist - Lieutenant" (nach Leßke,1886), der 1657 das Schloss bauen ließ, das in den nächsten Jahren immer wieder Änderungen erfuhr.
1736
Die Familie von Nimptsch übernimmt den Besitz Roßthal und behält ihn bis 1819. Frau Friderike Sidonie von Nimptsch, geb. von Hanstein, wird von 1736 - 1794 als Besitzerin angegeben. Ihr Gemahl Carl Siegmund von Nimptsch hatte in dieser Zeit auch Gorbitz und Pesterwitz in seinem Besitz (1751 - 1819). Noch heute ist an der Nordseite (Hofseite) das Ehewappen sehr gut erhalten. Die Buchstaben über dem Wappen bedeuten: C. S. V. N. - Carl Siegmund von Nimptsch, F. S. V. N. G. V. H. - Friderike Sidonie von Nimptsch geborene von Hanstein. Die Inschrift lautet: "Jucundae incuriae" - Der glücklichen Sorglosigkeit gewidmet.
1742
Roßthal erlebt eine Blütezeit. Von Nimptsch schmückte den Schlosspark mit Wasserkünsten, Grotten und Vixierspiegeln, ließ 1742 den Turm des Schlosses um 40 Stufen erhöhen, um die Umsicht ins weite Land zu erhöhen.
1756 - 1763
Im Siebenjährigen Krieg (3. Schlesischer Krieg) erlitt Roßthal großen Schaden. 1758 wurden die im Schlosspark erbaute Grotte und die Wasserkunst durch österreichische Truppen zerstört. Die Familie von Nimptsch gibt die erlittenen Einbußen in einer Höhe von 53 283 Talern an.
1763
Am 24.April 1763 wird Carl Siegmund von Nimptsch durch den sächsischen Konferenzminister Detlev Carl Graf von Einsiedel (1737 - 1810) zum Direktor der Porzellanmanufaktur Meißen verpflichtet.
1794
Der Sohn von Carl Siegmund von Nimptsch, Carl Albrecht von Nimptsch, gründet auf Roßthaler Grund und Boden das neue Dorf "Neu - Nimptsch".
1813
Im Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen (1862; G.A. Poenicke) ist vermerkt: "…im Jahre 1813 während der Schlacht bei Dresden war Roßthal Zeuge blutiger Gefechte, welche mit dem Angriff der von Murat befehligten Truppen auf die Stellungen der Österreicher nach dem Plauenschen Grunde hin zusammenhingen. An diesem Tage wurde es mehrere Male gestürmt, dabei aber glücklicherweise über schossen, wodurch es dem Schicksal entging, von den Flammen zerstört zu werden."
1819
Roßthal blieb bis zu diesem Jahr im Besitz des Geheimrates Carl Albrecht von Nimptsch. Danach kaufte es eine Frau von Dallwitz. In dieser Zeit hat das Dorf 30 Häuser und 150 Einwohner. Es gab in Roßthal 21 Hufen Land, die auf mehrere kleine Güter aufgeteilt waren.
1823

Der Kaufmann Johann Heinrich Mertz wird Besitzer des Schlosses und Rittergutes Roßthal. Die Bewohner des Dorfes bearbeiten die 224 ha große Flur des Rittergutes im Frondienst. So betrugen 1826 die "Hohldienste" für das Rittergut 81 Manns- und 100 Weibstage. Dazu mussten noch Erbzinsen und Zinsgetreide abgeliefert werden.

Der Besitzer Johann Christian Mertz begeht 1841 Suizid (er erschießt sich) und seine Erben bringen Roßthal zur Zwangsversteigerung.

1842

Im Dezember 1842 kauft Carl Hermann von Watzdorf (Sohn des Kgl. Sächs. Kammerherrn, Geheimrats, Generalleutnants und Minister des Kgl. Hauses Wettin Karl Friedrich Ludwig von Watzdorf) Schloss und Rittergut Roßthal für 52200 Taler. Er lässt 1844 das Wirtschaftsgebäude bauen, das heute das Haus 2 des Beruflichen Schulzentrums ist. Freiherr von Watzdorf wird 1843 auch mit Altfranken belehnt.

Carl Hermann Freiherr von Watzdorf hatte 1840 die ehemalige Amalie Wilhelmine Emilie Gräfin von Reichenbach - Lessonitz geheiratet, die allerdings von 1836 - 1839 bereits mit Johann Heinrich Wilhelm Graf von Luckner verheiratet war und 1838 ihren ersten Sohn Nikolaus Alfred Arthur Graf von Luckner geboren hatte. Aus der Ehe mit Freiherrn von Watzdorf stammen die Kinder Wilhelm Emil Freiherr von Watzdorf (1842 - 1915) und Konrad Freiherr von Watzdorf (1844 - 1922). Bald nach dem Tod von Carl Hermann Freiherr von Watzdorf im Jahr 1846 schließen Wilhelm Graf von Luckner und Amalie Wilhelmine verw. Freifrau von Watzdorf 1847 zum zweiten Mal die Ehe, aus der 1849 Sohn Nikolaus Rudolf Gustav Alfred Felix Graf von Luckner (bekannt geworden als "Der rote Graf") hervor ging.

Mit 22 Jahren, also 1871, lässt "Der rote Graf" Felix Graf von Luckner Schloss Altfranken im Tudorstil umbauen und erweitern.

Zu erwähnen sei, dass es neben der Altfrankener Linie der Grafen von Luckner im Nachbarort Pennrich eine zweite Linie von Luckner gab. Hier wurde 1881 Felix Alexander Nikolaus Graf von Luckner (1881 - 1966), der spätere "Seeteufel", geboren. Er wurde u.a. dadurch berühmt, dass er im April 1945 die Stadt Halle/Saale vor der Zerstörung durch die Amerikaner bewahrte.

1845 - 1852
Häufiger Besitzerwechsel von Schloss und Rittergut Roßthal:
1845 Ritt - und Postmeister Karl Moritz von Wolfersdorf, Hofposthalter zu Dresden
1847 Ulanenlieutnant von Brachewitz
1848 Besitzer wird Georg Moritz Hübel

Von Frau Helga Kunze aus Leipzig erhielten wir einen Brief, in dem u.a. steht: "Meine Großmutter Johanna Kunze geb. Hübel wurde am 23. Mai 1848 im Schloss Roßthal geboren. Das Rittergut gehörte damals meinem Urgroßvater Georg Moritz Hübel." Frau Kunze schickte uns auch eine Abschrift aus dem Kirchenbuch von Pesterwitz mit:
"Im Jahre Christi Eintausend Achthundert Acht und Vierzig am Drei und Zwanzigsten Mai abends gegen 10 Uhr, ist Herrn Georg Moritz Hübel, Besitzer des Rittergutes zu Roßthal, von seiner Ehegattin, Frau Alma Angelika Laura geb. von Egidy aus Rittergut Förstel bei Elterlein, das erste ehel. Kind geboren worden, welches am Achtzehnten Juni die heil. Taufe und die Taufnamen Maria Johanna Josephine empfangen hat. Als Taufzeugen sind zugegen gewesen …(4 Taufzeugen). Auf Grund des Kirchenbuches zu Pesterwitz wird obige Geburt und Taufnachricht glaubwürdig ausgestellt."

1852

Am 1. April 1852 kauft Carl Friedrich August Krebs Schloss und Rittergut Roßthal. Die bürgerliche Familie wurde berühmt und reich durch das Betreiben der Steinkohlenschächte der Umgebung. Schon 1819 übernahm Carl Friedrich Krebs von seiner Tante Wilhelmine Sophie Dathe die Steinkohlenwerke und hatte bereits das Rittergut Burgk (Freital) gekauft.

Carl Friedrich August Krebs wurde 1829 in den erblichen Freiherrenstand erhoben und führte seitdem den Namen Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk, auch als "Steinkohlenbaron" in der Bevölkerung bekannt.

Sein Sohn Carl Christian Arthur Freiherr von Burgk (31.10.1823 - 28.06.1897) übernahm 1849 die Betriebsführung des väterlichen Unternehmens und lebte seit 1852 auf Rittergut und Schloss Roßthal. Zu seinen sozialen Verdiensten gehören die Stiftung des Burgker Knappschaftshospitals sowie die Finanzierung einer Kleinkinderbewahranstalt in Löbtau.

1858/59
Das Schloss Roßthal wird unter Leitung von Karl Moritz Haenel (1809 - 1890; Oberlandbaumeister in der Residenzstadt Dresden - Beispiele von Bauten unter seiner Leitung: Turm der Dreikönigskirche, Vollendung des Galeriebaues, Umbau des Stallgebäudes zum Johanneum, Wiederherstellung des Stadtpavillons des Zwingers, alter Böhmischer Bahnhof) im Stile der Neorenaissance umgebaut und mit zwei neuen Obergeschossen versehen. Das Kreuzgewölbe im Erdgeschoss bleibt erhalten. Ein Vorbau und rückwärtige Flügel werden angefügt. Der Turm wird mit neuer und erhöhter Spitze versehen und die stattlichen Renaissancegiebel werden aufgesetzt.
1872
Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk stirbt im Alter von 82 Jahren. Sein Sohn Carl Christian Arthur Freiherr Dathe von Burgk lebt weiterhin in Roßthal, besitzt aber daneben auch Freital - Burgk, Pesterwitz und Schloss Schönfeld bei Großenhain.
1897
Carl Christian Arthur stirbt am 28.06.1897 auf Schloss Roßthal. Sein Sohn Carl Friedrich August Maximilian Freiherr Dathe von Burgk tritt nun sein Erbe an. Er lebt allerdings überwiegend auf Schloss Schönfeld bei Großenhain.
1906
Wirtschaftsgebäude und Land (224 ha) des Rittergutes werden an Max Gneist verpachtet, der bis 1945 Pächter ist. Er setzt zunächst seinen Sohn Hermann Gneist, später Alexander Geuthel (wohnhaft Neunimptscher Str. 8) als Inspektor des Gutes ein. Eine Ziegelei und eine Dampfbrennerei nehmen ihre Arbeit auf.
1910
Roßthal hat 258 Einwohner.
1915
Französische Kriegsgefangene (1. Weltkrieg) errichten die Mauer an der Ostseite des Schlosses und führen Sanierungsarbeiten durch.
1918
Am 01.04.1918 wird die Vereinigung der bisher selbständigen Gemeinden Roßthal und Neunimptsch zur Gemeinde Roßthal vollzogen.
1923
Ab 01.01.1923 gehört Roßthal zu Dölzschen. Gründung eines gemeinsamen Schulbezirks. Roßthaler und Neunimptscher Kinder gehen nach Dölzschen zur Schule.
1931

Am 08.11.1931 stirbt Carl Friedrich August Maximilian Freiherr Dathe von Burgk. Er wird in Schönfeld mit bergmännischem Zeremoniell beigesetzt.

Den Besitz in Roßthal erbt seine Tochter Oswine Marie Ella Adele Dathe von Burgk, geb. in Dresden am 20.08.1885, getraut 1907 in Schönfeld mit Edmund Albert Sittich Graf vom Hagen.

1933

Gräfin Adele von Hagen verpachtet das Schloss Roßthal an das Katholische Josephinenstift in Dresden.

Die Schwestern von Jesus - Maria besuchten 50 Jahre nach ihrer Vertreibung 1949 mit einer Abordnung das Berufliche Schulzentrum. Sie berichteten u.a., dass bis 1949 im heutigen Speiseraum des Schlosses Gottesdienste durchgeführt wurden. Tägliche Gebete fanden in der Einsiedelei im Schlosspark statt. Nach dem Besuch kam noch einmal ein herzlicher Brief aus der jetzigen Heimstatt aus Seelingstädt von den Schwestern mit zwei Fotos, die im Abstand von 50 Jahren am Haupteingang des Schlosses aufgenommen wurden (Das zweite Foto mit dem Schulleiter Bernd Etzold).

Frühjahr 1949 6.September 1999
Die folgenden Fotos zeigen den Teil der Speiseräume, der als Kapelle für Gottesdienste diente.
1940 2010

Die Schwestern ließen uns folgende schriftliche Darstellung der Zeit von 1933 - 1949 zukommen:

Schloß Roßthal - 1933 bis 1949
Damenstift unter Leitung katholischer Ordensschwestern

Eine Gemeinschaft katholischer Ordensschwestern, die "Schwestern von Jesus-Maria", hatte seit 1923 die Leitung des Josephinenstiftes in Dresden. Diese Gemeinschaft wurde gebeten, zusätzlich im Raum Dresden ein Damenstift einzurichten. Das Schloß Roßthal schien dafür geeignet zu sein. Die Besitzerin, Gräfin Adele von Hagen, hatte das Schloß durch Erbschaft erworben und suchte es zu verpachten. Am 1.Jan.1933 trat der Mietvertrag in Kraft, und bald danach wurde das Damenheim eröffnet.

Zu Beginn waren nicht nur deutsche Ordensschwestern hier tätig. Das liegt darin begründet, daß die Kongregation der Schwestern von Jesus-Maria eine internationale Ordensgemeinschaft ist, die nach der Französischen Revolution in Frankreich gegründet wurde und heute in mehr als 30 Ländern tätig ist. Nach Deutschland kamen die Schwestern erst im Jahre 1923.

Für Schloß Roßthal übernahm im Jahre 1937 der Caritasverband den Mietvertrag. Das änderte nichts am Dienst der Schwestern und an der Funktion des Hauses.

Nach den schrecklichen Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 mußten alle Hausbewohner zusammenrücken, um vielen Ausgebombten und Flüchtlingen aus den Ostgebieten eine notdürftige Unterkunft zu geben. Eine der schwierigsten Aufgaben der Schwestern war es jetzt, für so viele Menschen die notwendigsten Nahrungs- und Lebensmittel zu beschaffen. So waren in den folgenden Monaten bis zur neuen Kartoffelernte jeweils 2 Schwestern in kurzen Abständen im Sorbenland, in der Nähe von Bautzen, unterwegs, um Kartoffeln und Gemüse mühevoll zu erbetteln. Ab Herbst gab es dann für alle Bewohner eine gerechtere Zuteilung. Die war noch nicht ausreichend, aber zusätzliche Hilfe kam aus den umliegenden Dörfern.

Von einer anderen Schwierigkeit schreibt eine Schwester aus ihren Erinnerungen: "Ebenso schlimm wie an der Nahrungsmittelknappheit litten wir am Kohlenmangel. Die Zentralheizung konnte nicht betrieben werden und nur wenige Zimmer hatten Öfen. Dafür mußte das wenige Heizmaterial gut eingeteilt werden. Zudem war der Winter 1945/46 sehr streng..."

Zu dieser Zeit gab es viele Kranke im Hause. Die Schwestern pflegten die Kranken so gut es ging, aber es fehlte am Nötigsten: Medikamente und Nahrungsmittel. '

In dieser Zeit kamen Soldaten der Sowjetarmee ins Haus. Als sie die vielen Kranken und die Schwestern bei der Pflege sahen, waren sie freundlich und verließen respektvoll das Heim.

Schon im März 1946 wurde den Schwestern die Nutzung des Hauses durch die LDPD, Landesverband Sachsen, aufgekündigt mit der Begründung, das Haus sei dieser Partei von der Landesverwaltung Sachsen als Schulungshaus übergeben worden. Das konnte zunächst aufgeschoben werden; da es nicht leicht war, für die zahlreichen Heimbewohner eine andere Unterkunft zu finden. Im Mai des gleichen Jahres kam die Nachricht vom Bezirkswohnungsamt, daß das Rittergut Roßthal in die Sächsischen Staatsgüter übergegangen sei. Das Altersheim könne aber weiterhin im Schloß Roßthal bleiben.

In einem Schreiben von der Landesgüterverwaltung vom März 1949 ist zu lesen, daß Schloß Roßthal in die Bodenreform einbezogen sei und damit kein Mietvertrag mehr gelte. Am 6. Juli 49 wurde eine mündliche Kündigung ausgesprochen, da man eine andere Nutzung für dieses Haus plante. Ein neuer Wohnsitz für die Schwestern und Heimbewohner wurde bald darauf gefunden. Es war ein leerstehendes Rittergut, dessen Hauptgebäude abgerissen werden sollte, -man hatte bereits damit begonnen.

Im Gegensatz zu Schloß Roßthal war dieses Ersatzgebäude fast eine Ruine. Unter der Leitung der Schwestern und der Schirmherrschaft der Caritas wurde das Haus in Seelingstädt bei Grimma nach kurzer Zeit wieder eine neue Heimat für ca. 60 Heimbewohner.

1945

Am 17.04.1945 beim letzten Großangriff auf Dresden erfolgte der Abwurf einer Bombe auf das Schloss (6 Zentner), die glücklicherweise im Park niedergeht.

Beim Eintreffen der Sowjetarmee vermuteten die Soldaten im Schlossturm noch ein Maschinengewehrnest der deutschen Wehrmacht und schossen von Altfranken her eine Panzergranate in das Dach des Schlosses. Der entstandene Brand konnte ohne größeren Schaden gelöscht werden.

1945

Am 08.05.1945 erfolgte die bedingungslose Kapitulation Hitlerdeutschlands. Der gesamte Burgksche Besitz wird enteignet und zum "Volkseigentum" erklärt.

Schloss: Das Damenstift unter der Leitung der katholischen Ordensschwestern bleibt bis 1949 erhalten.

Grundbesitz des Rittergutes: Dient als so genanntes "Stadtgut der Stadt Dresden" bis 1949 zur Versorgung der Sowjetarmee.

1949

In Vereinigung mit Pesterwitz wird das "Volkseigene Gut Gartenbau Pesterwitz (VEG)" gegründet. Es erhält zunächst den Namen "Volksjugendgut ´Wilhelm Pieck´".

Das Schloss wurde zeitweise als Landesverwaltung der Volkseigenen Güter (VVG) genutzt. Das teilweise noch sehr gut erhaltene Inventar wurde mit blindem Aktionismus von kommunistischen Funktionären zerstört. So wurde z. B. oft während der DDR - Zeit "hinter vorgehaltener Hand" darüber berichtet, wie der herrliche Kronleuchter im Foyer des Haupteinganges mutwillig zerschlagen wurde.

Der Wiederaufbau Deutschlands nach dem 2.Weltkrieg erforderte in allen Wirtschaftszweigen einen Neubeginn, in dem natürlich der Ausbildung des jugendlichen Nachwuchses eine herausragende Rolle zukam. So war auch die Zeit reif, um neue Strukturen und Möglichkeiten der Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich für Dresden und die gesamte Umgebung zu finden. Ohne Landwirtschaft und Gartenbau war und ist die sächsische Landeshauptstadt mit seiner Umgebung undenkbar.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, dem 07. Dezember 2011 um 18:02 Uhr