Zeugen des Gartenbaus oder besser der Gartenbaukunst aus vergangenen Jahrtausenden findet man heute in vielen Teilen der Erde. Die Verbindung Natur und Architektur beschäftigte die Menschheit von alters her. Denken wir nur an eines der sieben Weltwunder der Antike: Die Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon.
In Sachsen und seiner Residenzstadt Dresden interessierte man sich seit dem Mittelalter für gartenbauliche Probleme. Von 1553 - 1586 residierte Kurfürst August in Dresden, er förderte insbesondere die Landwirtschaft und schrieb eigenhändig ein Gartenbuch.
Friedrich August I. (August der Starke, 1670-1733), der seit 1694 als Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen und seit 1697 als August II. König von Polen residierte, gründete nicht nur 1710 die Porzellanmanufaktur in Meißen (in der 1763 Carl Siegmund von Nimptsch zum Direktor berufen wurde; siehe 2.), sondern beschäftigte auch als erster in der Dresdner Residenz eigene Hofgärtner.
Eine der bekanntesten sächsischen Gärtnerfamilien ist die Familie Seidel. Johann Heinrich Seidel (1744 - 1815) wurde 1778 kurfürstlicher, später königlicher Hofgärtner in Dresden. Johann Wolfgang von Goethe besuchte ihn mehrere Male, beide waren freundschaftlich miteinander verbunden und arbeiteten gemeinsam an der "Metamorphose der Pflanzen". Von seinen zehn Kindern ergriffen vier Söhne den Beruf des Vaters und vererbten ihn immer wieder an ihre Nachfolger, so dass auch heute noch Familienmitglieder in der Branche tätig sind (Gartenbaubetrieb in Grüngräbchen), obwohl die Dresdner Seidel - Firma in Laubegast 1946 enteignet wurde.
Am 24. Juni 1813 gründeten Jacob Friedrich und sein Bruder Traugott Leberecht Seidel die erste Spezialgärtnerei des deutschen Zierpflanzenbaus, daraus entwickelte sich der größte Kamelienproduktionsbetrieb Europas.
Die Seidels waren bereits im 18. und 19. Jahrhundert hoch gebildete Leute. So lernten und "studierten" sie an verschiedenen deutschen Residenzen, waren in Wien und Paris, aber auch in England und Holland. Hermann Seidel war Initiator der ersten Internationalen Gartenbauausstellung 1887 in Dresden.
In den Agrarwissenschaften, so auch in den Bereichen des Gartenbaus wurde es immer wichtiger, eine systematische Ausbildung von interessierten Leuten vorzunehmen, zumal durch die günstige Lage des windgeschützten Elbtales zwischen Pirna und Meißen neben der Entwicklung der Moorbeetpflanzen der Anbau von gärtnerischen Produkten, wie Gemüse und Blumen immer mehr an Bedeutung zunahm. Der Weinanbau zog sich an den Lößnitz - Hängen bis in das Meißner Gebiet, und der Spargelanbau erstreckte sich von Radebeul bis Weinböhla.
In und um Dresden siedelten sich immer mehr kleinere Gärtnerbetriebe an, die sich Handelsgärtnereien nannten. Von ca. 1800 bis ins 20. Jahrhundert erfolgte der Absatz der gärtnerischen Produkte vor allem auf dem Dresdner Altmarkt. Ein reges Markttreiben hatte sich hier entwickelt: Mit Handwagen, Hundewagen oder Schiebock (an dem ein angebrachtes Halsband den Transport erleichterte) wurden die Erzeugnisse zum Altmarkt gebracht. Vorwiegend Kundschaft vom Bürgertum oder Beamtenfrauen mit ihren Dienstmädchen tätigten ihren Einkauf dort.
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