1950

Gründung unserer Schule am 01.06.1950

Erich Peschke, ein Lehrer der ersten Stunde (seit 1952 als Fachlehrer für Pflanzen - und Tierproduktion an unserer Einrichtung), berichtet: "Herbert Biering war vom 01.05.1948 als Lehrer in Freital und Mohorn in landwirtschaftlichen Berufen tätig. 1950 war eine Kreisreform und Anfang 1950 erhielt Herbert Biering durch den Kreisschulrat Dresden - Land den Auftrag, den Aufbau einer landwirtschaftlichen Berufsschule in die Wege zu leiten und ihre Gründung vorzunehmen."

Es ist leider kein Gründungsdokument mehr vorhanden, aber am 01.06.1950 war es so weit: Die Berufsschule des Volksjugendgutes "Wilhelm Pieck", Pesterwitz wurde eröffnet. Herbert Biering wurde zum Direktor berufen. Den Schulbetrieb nahmen zwei Landwirtschaftsklassen von 25 bzw. 30 Lehrlingen auf. Von den 55 Lehrlingen kommen 12 Jugendliche vom Gut Pesterwitz, die anderen werden von landwirtschaftlichen Betrieben des linkselbigen Bereiches des Landkreises Dresden (u.a. Freital und Wilsdruff) geschickt. Bereits am 01.09.1950 beginnt eine weitere Klasse (19 Lehrlinge) mit der Ausbildung. Als Unterrichtsräume dienen Zimmer im Gutshof Pesterwitz und im Gasthof Pesterwitz, die praktische Ausbildung wird in Roßthal durchgeführt. Kriegsbedingt betrug die Milchleistung der von den Lehrlingen in Roßthal betreuten Kühe 1626kg pro Kuh.

1952

Aufgrund der steigenden Zahl von Auszubildenden in der Landwirtschaft und wegen Platzmangels im Gut Pesterwitz wird auch der theoretische Unterricht im März/April 1952 nach Roßthal verlagert. Er findet in Räumen des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes (erbaut 1844, heute Haus 2 des BSZ) statt, in dem gleichzeitig die zu betreuenden Kühe stehen. Am 01.09.1952 sind ca. 60 Lehrlinge in der Ausbildung zum Landwirt, die in vier Klassenzimmern von drei Lehrkräften (u. a. Erich Peschke) unterrichtet werden.

1953

Nach Auszug der Landesverwaltung der Volkseigenen Güter aus dem Schloss Roßthal übernahm die Schule ab 01.03.1953 das Gebäude. In den "Kulturräumen" fand zunächst auch Unterricht statt, aber in der Hauptsache wurden die Zimmer als Internat genutzt. Kurze Zeit später wohnten bereits ca. 100 Jugendliche im Schloss.

Übergabe des Schlosses als Internat 1953

Schon zu Beginn der 50iger Jahre lernten Jugendliche an unserer Schule, die später in der Öffentlichkeit bekannt wurden. Der langjährige Direktor des Dresdner Stadtmuseums Dresden Matthias Griebel erlernte in dieser Zeit z.B. den Beruf des Rinderzüchters. 25 Absolventen von 1954 trafen sich am 24.09.2004 in Roßthal, um nach 50 Jahren ein Wiedersehen zu feiern.

Jahrgangstreffen am 24.09.2004

1955

Am 13.10.1955 geriet durch Überhitzung eines Ofenrohres der Dachstuhl des Schlosses in Brand. Auch das dritte Stockwerk fiel den Flammen zum Opfer, und durch das Löschwasser wurden weitere Räume, Flure und Inventar stark beschädigt. Allerdings schon ein Jahr später waren alle Schäden behoben.

1956

Aufgrund eines Ministerratsbeschlusses der DDR wurden die Betriebsberufsschulen (BBS) gegründet. Im Juni 1956 entstand in Roßthal die "BBS des VEG Pesterwitz". In einer BBS wurden die zukünftigen Facharbeiter sowohl im praktischen als auch im theoretischen Bereich ausgebildet. Ende der 50iger Jahre bewirtschafteten die Lehrlinge in Roßthal den Kuhstall mit 70 Rindern, wobei die Milchleistung bei 3600 kg pro Kuh lag.

1958

1958 wurden in der DDR die ersten Absolventen einer neu geschaffenen Mittelschule (später Polytechnischen Oberschule) nach 10 Jahren Schulzeit verabschiedet. Diese Jugendlichen absolvierten im Gegensatz zur bisherigen dreijährigen Lehrausbildung eine zweijährige Ausbildung. In der Schule in Roßthal war es üblich von R - Klassen ( 8 - Klassen - Abgänger / dreijährige Berufsausbildung) und M - Klassen (10 - Klassen - Abgänger / zweijährige Berufsausbildung) zu sprechen. Eine Vielzahl von noch heute bekannten Absolventen stammt aus dieser Zeit. So versäumt es Christian Tuschling selten, am jährlichen Roßthaltreffen teilzunehmen. Er war viele Jahre im Neustädter Landmaschinenwerk "Fortschritt" als Versuchsingenieur tätig, nach der politischen Wende wurde er selbständiger Unternehmer. Frank Rentzsch, auch ehemaliger Schüler einer M - Klasse, ist heute Geschäftsführer der "Vorgebirgsmilch - und Schlachtviehgenossenschaft e. G." in Rippien, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes und seit 1997 auch Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes.

1959

In mehreren Wirtschaftszweigen begann in der DDR eine neue Ausbildungsform: die Berufsausbildung mit Abitur.

1961

Am 01.09.1961 wurde die erste Klasse Berufsausbildung mit Abitur (BmA) mit den Ausbildungsberufen Agrotechniker und Zootechniker in Roßthal gebildet. Die BmA war eine sehr anspruchsvolle Ausbildung, in der Jugendliche nach erfolgreichem Abschluss der 10. Klasse in einer dreijährigen Ausbildung das Abitur (allgemeine Hochschulreife) und eine Facharbeiterprüfung erfolgreich absolvieren mussten.