1961

Mit Beginn der BmA in Roßthal begann eine Phase, die prägend für die nächsten 30 Jahre und darüber hinaus für die Schule sein sollte. Ca. 1500 Jugendliche durchliefen diese Ausbildungsform und erreichten zeitgleich Abitur und Facharbeiterbrief. Nach den R - und M - Klassen gab es nun auch noch A - Klassen in Roßthal.

1962

Herbert Biering übte das Amt des Schuldirektors bis zum 31.03.1962 aus. Von April bis September 1962 leitete Erich Peschke als amtierender Direktor die Schule. Ab 1. Oktober 1962 übernahm Dr. Gunter Mende die Leitung der Einrichtung.

1964

Mit der Gründung des "1. Jugendobjektes der Landwirtschaft der DDR" in Roßthal begannen Jahre, in denen von der Schul - und Heimleitung in extremer Art und Weise politischer Einfluss auf Schüler - und Lehrerschaft genommen wurde. Mit dem Abstand von mehreren Jahrzehnten ist man immer wieder darüber erstaunt, wie differenziert Jugendliche ihre Lehrer in diesen Jahren einschätzten, auch wenn viele Dinge damals oft unausgesprochen blieben.

Unbestritten ist das fachliche Wissen, das in Roßthal vermittelt wurde, und unbestritten sind auch die mit viel Freude durchgeführten Schulfahrten, Zirkel, kulturellen Veranstaltungen, Sportveranstaltungen und andere Wettbewerbe, die - einfach der Zeit geschuldet - fast alle unter "der Fahne der FDJ" stattfanden.

Viele Medienberichte wurden in Zeitschriften und Zeitungen über die Roßthaler Ausbildung veröffentlicht. Vieles ist es nicht wert, dass es überhaupt erwähnt wird. Aber interessant ist z. B. doch, dass das Schriftstellerehepaar Sarah und Rainer Kirsch als junge Reporter einige Tage in Roßthal verbrachten und dass dann ein großer Bericht im März 1964 in der Zeitung "FORUM" veröffentlicht wurde. Einige Zitate aus dem Artikel "Roßthal auf dem Berg":

"…ums Leiten geht es hier und ums Ausbilden von Lehrlingen für die Landwirtschaft. Das ist der Schopf, und jetzt ziehen wir: Vor einem Jahr war der VI. Parteitag, und kurz darauf begann FORUM seine Serie "Der Mensch - die wichtigste Produktivkraft", und dort wie hier wurde nicht nur über das neue System der Planung und Leitung beraten und nachgedacht, sondern auch darüber: wie lernt jemand nicht nur Lesen und Mathematik, sondern auch Leiten? Und nach einem Jahr wär`s doch interessant zu fragen, was sich inzwischen getan hat: zum Beispiel in Roßthal, das auf dem Berge liegt, bei Dresden übrigens, und weiter wissen wir jetzt noch gar nichts, denn wir fahren eben in den Gutshof, da steht außen "Betriebsberufsschule Roßthal" und "Lehrlingswohnheim", und dann steigen wir aus und stellen fest: es riecht nach Kühen."

Neben vielen politisch - sozialistischen Formulierungen kommen die Kirschs auch zu Aussagen über das Wohnheim:

"Das Heim ist ein alter Bau mit dicken Mauern, eckigen und runden Fenstern, langen Fluren und viel frischer Farbe. Frank Kunath und Jutta Ehrlich erwarten und führen uns. Beide stehen ein halbes Jahr vor dem Abitur. … In den Zimmern gibt es weißlackierte Schränke und Doppelstockbetten, eine Sitzecke hinter einer Bambuswand mit Pflanzen und lange oder kurze Bücherregale."

Als eine der bekanntesten deutschen Lyrikerinnen siedelte Sarah Kirsch 1977 in den Westen über.

Erich Peschke als Klassenlehrer verabschiedete die Berufsschüler der Klasse M2. Ein Teil der Lehrlinge wurde im Bereich Rinderzucht, ein anderer Teil im Bereich Feldwirtschaft ausgebildet:
Lothar Adelt, Rainer Doms, Gisela Dziacka, Gert Fichtner, Gabriele Franke, Bernd Fuhrmann, Jürgen Hetz, Evelyn Huß, Herbert Körner, Bernhard Langer, Wolfgang Lesch, Eberhard Micknaß, Wilfried Nake, Lothar Noack, Frieder Säckel, Katharina Strauch, Elfriede Thiele, Christian Tuschling

Am 15.07.1964 wurden die ersten 14 Absolventen der BmA in Roßthal vom Klassenlehrer Eberhard Heiner verabschiedet
Bernd Doms, Jutta Ehrlich, Gislinde Georg, Ulrich Grüner, Rainer Hageni, Thomas Hahnewald, Frank Kunath, Gerd Neumann, Werner Pietzsch, Frank Scheftschik, Isolde Schnabel, Gabriele Schramm, Sonja Teichert, Michael Wandelt.

In dieser und in Klassen nachfolgender Jahre gab es Absolventen, deren Töchter oder Söhne inzwischen nun auch ihren Schulabschluss in Roßthal feiern konnten. Exemplarisch sei Thomas Hahnewald genannt (nach seinem Studium als Tierarzt tätig), dessen Sohn Andreas 1988 in Roßthal die Schule abschloss und nach seinem Jurastudium eine eigenständige Rechtanwaltskanzlei in Dresden führt.

Im Jahr 1964 wurde auch die berufspraktische Ausbildung der Abteilung Klingenberg von der Schule übernommen. Das Lehrlingswohnheim in Klingenberg gehörte seitdem ebenfalls zur Schule.

1965

In diesem Jahr drehte der Fernsehfunk der DDR den Film "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" über die Roßthaler Lehrlinge und ihre Arbeit, über das "Produktionskomitee" und über die Berufswünsche der Abiturienten. Dieser Film konnte für die Schule in Roßthal als gute Werbung verstanden werden.

Seit 1965 verbindet die Roßthaler Schule eine enge Partnerschaft mit mehreren ungarischen Schulen in Hajduszoboszlo. Führend war dabei das "Högyes Endre Gimnasium" in Hajduszoboszlo. Jedes Jahr fand ein Schüleraustausch für 14 Tage statt, wobei die Schüler jeweils eine Woche in landwirtschaftlichen Betrieben arbeiteten, und die zweite Woche nutzte man zum Kennenlernen von Land und Leuten. Besondere Attraktionen waren für die Roßthaler Schüler die Hortobagyi - Puszta und das Wellenbad in Hajduszoboszlo. Der 30. und bisher leider letzte Schüleraustausch wurde 1995 unter schwierigen finanziellen Bedingungen durchgeführt. Die ungarischen Gäste weilten im April 1995 in Roßthal und Schüler des Agrarwissenschaftlichen Gymnasiums waren mit Herrn Jähne und Frau Marx im Juni des gleichen Jahres in Hajduszoboszlo.

Foto 1991:
Roßthaler/Radeburger Lehrerinnen und Lehrer in Hajduszoboszlo

Die Absolventen der M2a:
Barbara Hallmann, Reinhold Kosan, Rolf Kreher, Joachim Leitert(Schäfer), Claus Naumann, Dietrich Neuparth, Frank Pretsch, Waltraud Reyer, Gabriele Steger, Gerd Steiger, Klaus Tittel, Karl - Heinz Tkotz, Brigitte Wark, Friedmar Welde

Die Anzahl der Absolventen der BmA im Jahr 1965 hielt sich in Grenzen. Klassenlehrer Siegfried Lunk konnte 11 erfolgreiche Abiturienten verabschieden:
Ingrid Creutzburg, Christine Fleischer, Marlies Hänsel, Manuela Jaeckel, Torsten Klemann, Heidrun Müller, Roland Preibisch, Gerd Sczibilanski, Joachim Waldert, Gerhard Weise, Heinz Guhr.

1966

Neben der Ausbildung der Lehrlinge übernahm die Schule vorübergehend auch die Erwachsenenbildung in der Landwirtschaft und war für den so genannten "Unterrichtstag in der Produktion" an allgemein bildenden Schulen verantwortlich. Es wurde die "Schule der sozialistischen Landwirtschaft Freital" (SSL) in Roßthal gegründet. Nachdem - von der Schulleitung initiiert - ab 1968 sogar der Begriff "Schulkombinat der sozialistischen Landwirtschaft Freital - Radeburg" (SKSL) verwendet wurde, griff die "sozialistische Obrigkeit" ein und die Roßthaler Schule wurde wieder "Betriebsberufsschule des Volkseigenen Gutes Pesterwitz" (BBS des VEG Pesterwitz).

Die Klassenlehrerin Regina Dittfurth konnte 19 Absolventen der Berufsausbildung mit Abitur verabschieden:
Hans-Günther Apel, Inge Bösenberg, Gabriele Diethers, Rainer Dietze, Frank Eisermann, Romana Ferrilli, Bernd Hänel, Gunter Hauswald, Christa Henkel, Ortlind Lösel, Christine Pinkert, Renate Regler, Hans - Joachim Röber, Gert - Udo Schlegel, Hannelore Schmieder, Norbert Speer, Kira Vielhauer, Margit Vogel, Erhard Weise.

1966 begann die berufstheoretische Ausbildung von Landmaschinen- und Traktorenschlossern in Roßthal. Allerdings gab es davon nur zwei Durchgänge, so dass es LT - Klassen nur von 1966 bis 1969 in Roßthal gab. Klassenlehrer waren Werner Schirmer und Bernd Etzold.

1967

Solange die von den Lehrlingen zu betreuenden Kühe im Haus 2 eingestallt waren, "zierte" ein entsprechender Misthaufen den Schulhof vor dem Schloss.

Eine neue moderne 200er Milchviehanlage wurde in Roßthal eröffnet. Die Lehrlinge mussten nun dreimal soviel Tiere betreuen wie vorher, aber unter weitaus besseren Bedingungen als im alten Kuhstall im Wirtschaftsgebäude (Haus 2). Allerdings funktionierte die mit viel Aufwand neu installierte Gülleanlage nie.

Ab 1. September 1967 wird der umgebaute alte Kuhstall als Turnhalle genutzt. Obwohl nicht die optimalen Bedingungen für sportliche Betätigungen vorhanden sind, wurden die Möglichkeiten von Lehrern und Schülern begeistert aufgenommen: "Unsere Schule hat eine eigene Turnhalle!" Und in diesem umgebauten Kuhstall wird nun heute nach fast 40 Jahren immer noch Sportunterricht erteilt, und begeisternde Wettkämpfe finden statt.

Die Sportlehrer und darüber hinaus andere engagierte Lehrer verstanden es stets, Generationen von Schülern Freude an sportlichen Wettbewerben zu vermitteln. Über mehrere Jahrzehnte war Renate Dietrich die entscheidende Lehrkraft für die sportlichen Aktivitäten an unserer Schule. Leichtathletik, Kraftsport, Handball, Volleyball, Fußball und in neuerer Zeit Unihockey sind die beliebtesten Sportarten. Im Wettbewerb "Stärkster Lehrling - Sportlichstes Mädchen" konnte 1979 und 1980 Rosemarie Stiller jeweils den 3. Platz im DDR - Finale belegen und 1984 Ulf Böhme sogar Vizemeister werden. Im Jahr 1992 fand der Wettbewerb in dieser Form das letzte Mal statt, und Marion Schulz von unserer Schule belegte im Endausscheid den 1. Platz. Die große Tradition unserer Handballwettkämpfe begründete Otto Dittfurth; sie wird heute weitergeführt von Antje Major, Thomas Ehrlich, Jan Gebauer und Ralph Laspe. Sportfeste finden nach wie vor in jedem Jahr statt und Volleyball- und Unihockeyturniere sind stets Höhepunkte.

Absolventen der BmA waren 1967:
Edith Berger, Michael Bräcklein, Rosemarie Helm, Gabriele Herbig, Heidemarie Jokusch, Barbara Martin, Johannes Mäthger, Werner Müller, Ingrid Richter, Margit Reichel, Wolfgang Schulze, Michael Urbansky, Gisela Wetterling, Jürgen Wehnert.

Die Absolventen der M - Klasse waren mit dem Ausbildungsberuf Agrotechniker
Ingeborg Bolesta, Frank Dittrich, Helmut Georgi, Gudrun Gnauck, Klaus - Uwe Mißbach, Hermann Peters, Alfred Peters, Rainer Weißhampel, Andreas Wolf; mit dem Ausbildungsberuf Rinderzüchter Elke Engler, Ute Fritsche, Luise Fuchs, Christine Gruschwitz, Reinhard König, Monika Köllner, Hannelore Mosch, Anita Rohr, Helga Rothenburger, Bernd Sorge, Brigitte Horn und als Schweinezüchter Heidemarie Ferus.
Ein Kartengruß von einem Teil der M - Absolventen von einem Treffen erreichte uns Anfang 2006.

Peter Weszkalnys, Lehrer an der Schule in Roßthal seit 1961, wurde ab 1967 stellvertretender Direktor. Er bekleidete das Amt bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 31.07.1992.

1968

Im Schuljahr 1968/69 wurde die Fußball - Meisterschaft aus der Taufe gehoben. Es war der Beginn von jährlichen Schulmeisterschaften, die ununterbrochen stattfanden. In den ersten Jahren wurden sie von Bernd Etzold und nun schon jahrelang von Thomas Stephan organisiert. Und es gibt dazu etwas ganz Erstaunliches zu berichten: Bisher ist noch kein Jahr vergangen, in dem keine Lehrermannschaft mitgespielt hat. Die namentlichen Sieger seit 1968 findet Ihr hier auf der Internetseite unter Sport - Fußballmeister.

Die Lehrermannschaft im Meisterschaftsjahr 1974/75 mit Alfred Noack, Werner Schirmer, Bernd Etzold, Otto Dittfurth und Bernd Jähne
1996/97 spielten sehr erfolgreich für die Lehrer Thomas Ehrlich, Bernd Etzold, Otto Dittfurth, Thomas Stephan, Dieter Bartneck
Die Lehrermannschaft trat 1997/98 in der Besetzung Kay Hennig, Thomas Ehrlich, Otto Dittfurth, Thomas Stephan, Bernd Etzold, Dieter Bartneck an

Die Klassenlehrerin der Absolventen der BmA war Renate Dietrich. Auf Grund von "Baby - Urlaub" verabschiedete aber Eberhard Heiner die Klasse:
Reinhold Ebert, Jürgen Hardtmann, Matthias Knebel, Barbara König, Angela Liebermann, Gerd Low, Horst Menzel, Helga Muschter, Günther Mutscher, Lutz Nicolaus, Sabine Nowak, Monika Partyka, Ariane Petzold, Heinz Richter, Fritz Schumann, Marianne Siegmund, Ilona Sommer, Manfred Traupe, Herbert Zarschler.

Hier ein Foto von einem Treffen ehemaliger Absolventen im Februar 1968. Schon zu dieser Zeit wird Tradition gepflegt.

Nach der politischen Wende war Fritz Schumann acht Jahre Bundestagsabgeordneter und ist zurzeit Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes von Sachsen - Anhalt.

1968 werden neue so genannte Grundlagenfächer in die berufstheoretische Ausbildung vieler Berufe in der DDR aufgenommen. Darauf aufbauend wurden in Roßthal mit dem Schuljahr 1968/69 neue Fachkabinette eingerichtet:

  • Fachkabinett für BMSR (Betriebs -, Mess -, Steuer - und Regelungstechnik)
  • Fachkabinett für Datenverarbeitung und Elektronik
  • mit viel Eigeninitiative auch ein Biologie - Chemie - Labor
  • ein Fremdsprachenkabinett
  • ein agrotechnischer Praktikumsraum und
  • ein Fahrschulkabinett.

 

Der Beruf Facharbeiter für Geflügelzucht hatte sich seit 1966 als selbständiger Beruf immer mehr etabliert. Man war zu dieser Zeit in der DDR der Meinung, dass durch "Kombinate Industrieller Mast" (KIM) die Bevölkerung mit Geflügelfleisch und Eiern versorgt werden sollte. So wurde ab 1. September 1968 in unserer Schule mit einer verstärkten Geflügelzüchter - Ausbildung begonnen, es gab nun auch noch die G-Klassen. Die Lehrausbildung der ersten G - Klassen hatte bereits 1966 begonnen, so dass 1968 die Lehrlinge
Barbara Bitterlich, Barbara Franke, Heidemarie Grafe, Richard Grundig, Annelies Herr, Giesela Hirsch, Christa Hommel, Marion Horn, Britta Lehmann, Christine Neubert, Ursula Prox, Brigitte Richter, Ulrike Schöne, Sonja Grahle aus der G1a und
Annemarie Delan, Monika Hille, Renate Hirsch, Petra Matthes, Dieter Preusche, Sonja Roch, Christa Roscher, Regina Schmidtke, Brigitte Schubert, Gitta Sperling, Annemarie Steiner, Karin Stock, Ursula Strohbach, Christa Ullrich, Christa Werdrich aus der G1b mit dem erfolgreichen Facharbeiterabschluss verabschiedet werden konnten.

26 Landmaschinen - und Traktorenschlosser werden 1968 vom Klassenlehrer Werner Schirmer verabschiedet, die eine Hälfte hatte die praktische Ausbildung in Kreischa, die andere in Braunsdorf absolviert:
Eberhard Adamczyk, Herbert Bode, Wolfgang Börners, Frank Herklotz, Wolfgang Hofmann, Hans - Dieter Mieth, Hans - Joachim Nürnberger, Jürgen Richter, Rolf Riesner, Erhard Röthig, Gerhard Schuster, Jürgen Walther, Eberhard Zeiske, Gerold Gemeinert, Claus Glöditzsch, Karl - Heinz Göbel, Rainer Grahl, Gerd Großmann, Xaver Gut, Gottfried Kluge, Karli Meißner, Christof Müller, Lothar Schütze, Frank Trepte, Michael Triller, Jörg Zitzmann

Das erste Mal gewann Otto Dittfurth mit der Schulhandballmannschaft den Pokal des RLN - Turniers (Turnier der landwirtschaftlichen Berufsschulen).

Mai 1968 :
Otto Dittfurth mit drei Spielern der Siegermannschaft:
Arpid Petzold, Matthias Heinrich, Eckhard Sowa